1x01 · · 49 min · Auf Spanisch

Deine Datenarchitektur ist dein Schicksal

"Nachhaltigkeitsreporting ist ein Symptom. Die Krankheit ist das Fehlen einer Datenarchitektur."
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Gast

María Ordovás López

Unabhängige ESG-Beraterin, ehem. Sustainability Senior Manager bei Forética

María Ordovás López ist unabhängige ESG-Beraterin mit umfangreicher Erfahrung in Nachhaltigkeitsstrategie, ESG-Regulierung, Klimarisiken und nachhaltiger Finanzierung. Ehemalige Sustainability Senior Manager bei Forética, wo sie mehr als 70 Unternehmen auf dem Weg zu nachhaltigen Geschäftsmodellen begleitet hat. Sie lehrt an der EDEM und der Escuela de Organización Industrial, schreibt auf Substack über ESG und hat über 10.000 Follower auf LinkedIn.

Worum es in dieser Folge geht

María Ordovás studierte Betriebswirtschaft und Jura. Sie arbeitete in der Automobil- und Pharmaindustrie. Im Jahr 2020 ließ sie alles für zehn Monate liegen, um sich in Nachhaltigkeit weiterzubilden, weil sie in den Unternehmen, für die sie gearbeitet hatte, immer wieder etwas Fehlendes bemerkt hatte. Heute ist sie unabhängige ESG-Beraterin, Dozentin an der EDEM und der EOI sowie eine der meistgefolgten Stimmen auf LinkedIn zum Thema ESG-Regulierung.

Genau dort beginnt das Gespräch: Wie lernt man in einem Sektor, in dem das, was man heute studiert, morgen schon veraltet sein kann? María erklärt, wie sie ihr eigenes Informationssystem aufgebaut hat, welche Quellen sie nutzt und warum LinkedIn bei allem Wert auch eine Falle ist, wenn man nicht weiß, wie man filtert.

Drei Unternehmenstypen, eine Frage

Der zentrale Teil der Folge ist eine Taxonomie, die María aus ihrer Erfahrung mit mehr als 70 Unternehmen bei Forética entwickelt hat. Es gibt drei Typen von Unternehmen im Umgang mit Nachhaltigkeit.

Jene, die reines Compliance-Reporting betreiben: Sie berichten, weil sie dazu verpflichtet sind, und das war es dann. Jene, die Compliance-Management betreiben: Sie durchlaufen den Prozess und schauen sich Auffälligkeiten genauer an. Und jene, die strategische Nachhaltigkeit verfolgen: Nachhaltigkeit erreicht den Vorstand, wird als Risiko und Chance behandelt und ist in Finanzzielen über drei, vier oder fünf Jahre verankert.

Juanjo stellt die Frage: Kann ein Typ-1-Unternehmen zu Typ 3 werden, oder muss man das Unternehmen wechseln? Marías Antwort ist nicht optimistisch, aber differenziert. Der wirksamste Hebel, den sie erlebt hat, ist nicht Überzeugung, sondern Reputationsangst. Die Unternehmen, die am meisten in Nachhaltigkeit investieren, sind nicht immer die überzeugsten: Es sind jene, die am meisten einen Skandal fürchten.

Omnibus als Sauerstoff, nicht als Sieg

Das Omnibus-Paket I ist seit sechs Tagen in Kraft, als sie die Aufnahme machen. Neunzig Prozent der bisher berichtspflichtigen Unternehmen sind nun ausgenommen. María sieht es anders: Das ist kein Rückschritt, das ist Sauerstoff. Sie hat mit Nachhaltigkeitsteams gearbeitet, die unter dem Druck erstickten, 1.100 Datenpunkte zu erfassen. Dieser Spielraum könnte das Fenster sein, um die Dinge richtig zu machen, nicht nur um Vorschriften zu erfüllen.

Der Druck verschwindet nicht. Investorenerwartungen bleiben. Lieferketten verlangen weiterhin KPIs von ihren Lieferanten. Die Unternehmen, die seit 2018 berichten, werden nicht aufhören.

Die Zukunft der Nachhaltigkeitsberatung

Das Gespräch endet an einem unbequemen Punkt: Was passiert mit der Nachhaltigkeitsberatung, wenn Omnibus den Markt um 90 Prozent reduziert und KI die Reporting-Arbeit übernimmt? María hat eine klare These: Beratung, die sich rein auf Reporting konzentriert, wird verschwinden. Was bleibt, ist die strategische Ebene. Echte Ziele setzen, mit fundierten KPIs, verbunden mit Wettbewerbspositionierung und Kapitalzugang. Das macht keine Software.

Ihr abschließender Rat: Nichts als selbstverständlich nehmen. Nicht von einer einzelnen Regulierung abhängig sein. Sich nicht zu mehr verpflichten, als die eigenen Daten belegen können. Die ersten Greenwashing-Klagen sind bereits eingegangen.

Nachrichten aus dem Radar

Omnibus I in Kraft. Neunzig Prozent der bisher verpflichteten Unternehmen sind nun ausgenommen. Spanien befindet sich weiterhin in regulatorischer Unsicherheit: Die CSRD wurde noch nicht in nationales Recht umgesetzt. Omnibus hat das Problem nicht gelöst. Es hat enthüllt, wer eines hat.

KI-ROI. Zwei von drei unternehmensinternen KI-Projekten erzielen keinen positiven Return on Investment. Sechsundsechzig Prozent der Ausgaben fließen in Infrastruktur. In Infrastruktur zu investieren ist nicht dasselbe wie gute Infrastruktur aufzubauen. Das Muster ist exakt dasselbe wie bei Nachhaltigkeit.

EU Data Act. In Kraft seit September 2025. Daten, die durch ein Produkt erzeugt werden, gehören teilweise dem Nutzer, der sie generiert. Europa sieht vor, dass Daten portabel, wiederverwendbar und zugänglich sein müssen. Das erfordert, dass Unternehmen genau wissen, welche Daten sie haben, wo sie liegen und in welchem Format. Eine Frage, die die meisten Unternehmen heute nicht beantworten können.