Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen: Emissionen und Abfall reduzieren

Alba Selva Ortiz · · 9 Min. Lesezeit
Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen: Emissionen und Abfall reduzieren

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Warum Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen jetzt entscheidend ist

Der Gesundheitssektor verursacht rund 4,4% der weltweiten Netto-CO2-Emissionen, wie in The Lancet veroeffentlichte Forschungsergebnisse zeigen. Waere das Gesundheitswesen ein Land, waere es der fuenftgroesste Emittent der Erde. Krankenhaeuser arbeiten rund um die Uhr, sind auf energieintensive Geraete angewiesen, erzeugen grosse Mengen an gefaehrlichen Abfaellen und stuetzen sich auf komplexe pharmazeutische Lieferketten, die Dutzende von Laendern umspannen.

Fuer Gesundheitssysteme in der EU ist Nachhaltigkeit laengst keine freiwillige Angelegenheit mehr. Die CSRD verpflichtet grosse Krankenhausgruppen, private Gesundheitsnetzwerke und Pharmaunternehmen zur verbindlichen ESG-Berichterstattung. In Deutschland hat das Thema durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die wachsende Diskussion um ein Krankenhaus-Nachhaltigkeitsgesetz zusaetzlich an Bedeutung gewonnen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung fuer Klinikbetreiber veroeffentlicht, und mehrere Universitaetskliniken haben Pilotprogramme fuer klimaneutrale Versorgung gestartet.

Die Herausforderung ist einzigartig. Gesundheitsorganisationen koennen nicht einfach Geraete abschalten oder den Patientendurchsatz reduzieren, um Emissionen zu senken. Jede Nachhaltigkeitsinitiative muss mit Patientensicherheit, klinischen Ergebnissen und regulatorischer Compliance in einem streng kontrollierten Umfeld in Einklang gebracht werden. Diese Spannung macht strategische, datenbasierte Ansaetze unverzichtbar.

Wesentliche Emissionsquellen im Gesundheitswesen

Das Verstaendnis der Emissionsquellen ist der erste Schritt zur Reduktion. Der CO2-Fussabdruck des Gesundheitswesens laesst sich grob in vier Kategorien unterteilen.

Energieverbrauch in Einrichtungen

Krankenhaeuser gehoeren zu den energieintensivsten Gewerbegebaeuden. Operationssaele, bildgebende Diagnostik (MRT, CT-Scanner), Serverraeume fuer elektronische Patientenakten, Lueftungs- und Klimaanlagen zur Aufrechterhaltung steriler Umgebungen und 24-Stunden-Beleuchtung tragen alle zu einem erheblichen Strom- und Waermebedarf bei. Ein einzelner MRT-Scanner kann jaehrlich so viel Strom verbrauchen wie mehrere Wohnhaeuser.

Der Umstieg auf erneuerbare Energiebeschaffung, die Modernisierung auf LED-Beleuchtung, die Installation intelligenter Gebaeudeleitsysteme und die Verbesserung der Daemmung in aelteren Einrichtungen sind bewaehrte Strategien. Die CO2-Fussabdruck-Messung ueber mehrere Standorte hinweg hilft zu identifizieren, welche Einrichtungen das groesste Reduktionspotenzial haben und wo Kapitalinvestitionen die besten Ergebnisse liefern.

Medizinische Abfaelle und Einwegkunststoffe

Das Gesundheitswesen erzeugt in der EU jaehrlich schaetzungsweise 5,9 Millionen Tonnen Abfall. Ein grosser Teil davon sind Einwegkunststoffe: Handschuhe, Spritzen, Infusionsschlaeuche, Verpackungen und persoenliche Schutzausruestung. Gefaehrliche Abfallstroeme wie scharfe Gegenstaende, Arzneimittelrueckstaende und infektioeses Material erfordern eine spezialisierte Verbrennung, die selbst Emissionen verursacht.

Strategien umfassen Wiederaufbereitungsprogramme fuer kompatible Einwegprodukte, den Wechsel zu wiederverwendbaren Kitteln und Abdeckungen, wo Hygieneprotokolle dies zulassen, die Einfuehrung von Trennsystemen zur Umleitung nicht gefaehrlicher recycelbarer Abfaelle aus Verbrennungsstroemen und die Zusammenarbeit mit Lieferanten zur Reduzierung von Verpackungsmengen.

Pharmazeutische und Medizinprodukte-Lieferketten

Scope-3-Emissionen machen typischerweise 60 bis 80% des gesamten CO2-Fussabdrucks einer Gesundheitsorganisation aus. Pharmazeutische Fertigung, Kuehlkettenlogistik, Medizinprodukteherstellung und globale Vertriebsnetze tragen dazu bei. Anaesthesiegase wie Desfluran und Lachgas sind besonders potente Treibhausgase. Desfluran hat ein Treibhauspotenzial, das ueber einen 100-Jahres-Horizont 2.540-mal hoeher ist als das von CO2.

Beschaffungsteams koennen erhebliche Veraenderungen bewirken, indem sie CO2-Kriterien in Ausschreibungsbewertungen einbeziehen, Emissionsoffenlegungen von Lieferanten verlangen, bei klinischer Eignung Anaesthetika mit geringerem Umwelteinfluss bevorzugen und mit Pharmaunternehmen an deren eigenen Dekarbonisierungsplaenen zusammenarbeiten.

Patienten- und Personaltransport

Rettungswagenflotten, Pendelverkehr des Personals, Patientenfahrten zu Terminen und Verlegungen zwischen Einrichtungen erzeugen Transportemissionen. Flottenelektrifizierungsprogramme, der Ausbau der Telemedizin fuer Nachsorgetermine und Infrastruktur fuer aktive Mobilitaet des Personals sind praktische Massnahmen.

CSRD-Pflichten fuer Gesundheitssysteme

Unter der CSRD (geaendert durch das Omnibus-I-Paket) muessen grosse Gesundheitsgruppen, die sowohl die Schwelle von 1.000 Mitarbeitern als auch die von 450 Millionen Euro Umsatz erreichen, nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) berichten. Mehrere ESRS-Themen sind typischerweise fuer das Gesundheitswesen wesentlich:

  • ESRS E1 (Klimawandel): Treibhausgasemissionen der Scopes 1, 2 und 3, Transitionsplaene und Klimarisikoanalyse.
  • ESRS E2 (Verschmutzung): Arzneimittelrueckstaende im Abwasser, Chemikalienexposition in klinischen und Laborumgebungen.
  • ESRS E5 (Kreislaufwirtschaft): Mengen medizinischer Abfaelle, Recyclingquoten, Wiederaufbereitungsprogramme, Management von Einwegprodukten.
  • ESRS S1 (Eigene Belegschaft): Arbeitsschutz fuer klinisches Personal, Arbeitsbedingungen, Burnout-Kennzahlen.
  • ESRS S2 (Arbeitnehmer in der Wertschoepfungskette): Arbeitsbedingungen in pharmazeutischen und Medizinprodukte-Lieferketten.

Auch Gesundheitsorganisationen, die unter den neuen CSRD-Schwellenwerten liegen, stehen unter indirektem Druck. Oeffentliche Beschaffungsrahmen verlangen zunehmend ESG-Daten von Gesundheitslieferanten. Versicherungsgruppen und Investoren bewerten die Nachhaltigkeitsleistung bei Kapitalallokationsentscheidungen. Und sowohl Patienten als auch Mitarbeiter erwarten zunehmend eine verantwortungsvolle Umweltfuehrung.

Einen umfassenden Ueberblick ueber die CSRD-Berichtsanforderungen finden Sie in unserer CSRD-Ressourcensammlung.

EU- und nationale Initiativen fuer ein gruenes Gesundheitswesen

Mehrere politische Rahmenwerke treiben die Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ueber die CSRD hinaus voran.

Die Pharmastrategie fuer Europa foerdert umweltfreundlichere Herstellungsprozesse und adressiert Umweltrisiken durch Arzneimittelrueckstaende. Der Europaeische Gruene Deal setzt die uebergreifenden Emissionsreduktionsziele, die fuer alle Sektoren einschliesslich des Gesundheitswesens gelten. Die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) enthaelt Bestimmungen zur Abfallbewirtschaftung und Lebenszyklusbetrachtungen.

In Deutschland hat das Thema Krankenhausnachhaltigkeit in den letzten Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Die BAFA (Bundesamt fuer Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) ueberwacht die Einhaltung des LkSG, das auch fuer grosse Klinikbetreiber und Pharmakonzerne relevant ist. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Empfehlungen zur Integration von Nachhaltigkeitskennzahlen in das Krankenhausmanagement veroeffentlicht. Mehrere Bundeslaender foerdern gezielt energetische Sanierungen von Krankenhausgebaeuden, und Universitaetskliniken wie die Charite in Berlin oder das Universitaetsklinikum Freiburg haben ambitionierte Klimaschutzprogramme gestartet.

Die BaFin beruecksichtigt ESG-Kriterien zunehmend bei der Aufsicht ueber Versicherungen und Finanzinstitute im Gesundheitssektor, was den Druck auf Klinikbetreiber erhoehte, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern und transparent zu berichten.

Wie Dcycle Gesundheitsorganisationen unterstuetzt

Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen erfordert das Management von Daten ueber mehrere Einrichtungen, Abteilungen und regulatorische Zustaendigkeiten hinweg. Die Plattform von Dcycle adressiert diese spezifischen Herausforderungen.

Multi-Standort-ESG-Management. Krankenhausgruppen und Gesundheitsnetzwerke betreiben typischerweise Dutzende von Standorten mit unterschiedlichen Energieprofilen, Abfallstroemen und lokalen regulatorischen Anforderungen. Die Multi-Entity-Management-Funktionen von Dcycle ermoegllichen es Organisationen, ESG-Daten aller Standorte zu konsolidieren und gleichzeitig die fuer standortbezogene Analysen und lokale Compliance erforderliche Granularitaet beizubehalten.

Automatisierte Datenerfassung. Gesundheitsorganisationen erzeugen grosse Mengen an Betriebsdaten ueber Energiemanagementsysteme, Abfallverfolgungsplattformen, Beschaffungsdatenbanken und Flottenmanagement-Tools. Die automatisierte Datenerfassung reduziert den manuellen Aufwand fuer bereits stark beanspruchte klinische und administrative Teams, indem Daten direkt aus den Quellsystemen abgerufen und Fehlerquoten gesenkt werden.

Lieferketten-Emissionsverfolgung. Da Scope 3 den Grossteil der Emissionen im Gesundheitswesen ausmacht, ist das Verstaendnis und Management von Lieferkettenauswirkungen essenziell. Dcycle ermoeglicht es Organisationen, Lieferantenemissionen zu kartieren, Hotspots in der pharmazeutischen und Medizinproduktebeschaffung zu identifizieren und den Fortschritt gegenueber Reduktionszielen zu verfolgen.

Regulatorische Compliance. Ob Ihre Organisation unter der CSRD berichtet, LkSG-Anforderungen erfuellt oder auf nationale Nachhaltigkeitsrahmen reagiert: Das Multi-Framework-Reporting von Dcycle stellt sicher, dass dieselben zugrunde liegenden Daten alle Compliance-Verpflichtungen bedienen, ohne doppelten Aufwand.

Moechten Sie sehen, wie Dcycle Ihrer Gesundheitsorganisation helfen kann, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu managen? Fordern Sie eine Demo an, um die Plattform mit unserem Team zu erkunden.

Praktische Schritte fuer den Einstieg

  1. Eine Baseline-CO2-Fussabdruck-Bewertung durchfuehren ueber alle Einrichtungen hinweg, die Scope 1, 2 und 3 abdeckt. Energieverbrauchs-, Abfall- und Lieferkettendaten priorisieren.
  2. Die wesentlichen ESRS-Themen kartieren durch eine Doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die gesundheitsspezifische Auswirkungen und finanzielle Risiken widerspiegelt.
  3. Das Beschaffungsteam einbinden als strategischen Nachhaltigkeitspartner. Lieferkettenentscheidungen bestimmen den Grossteil der Emissionen.
  4. Wissenschaftsbasierte Ziele setzen, die mit dem Pariser Abkommen uebereinstimmen. Die Science Based Targets Initiative (SBTi) bietet sektorspezifische Leitlinien fuer das Gesundheitswesen.
  5. In Technologie investieren, um Datenerfassung und Berichterstattung zu automatisieren. Manuelle, tabellenkalkulationsbasierte Ansaetze skalieren nicht in komplexen Gesundheitsorganisationen mit mehreren Standorten.
  6. Transparent kommunizieren gegenueber Patienten, Personal und Stakeholdern ueber den Nachhaltigkeitsweg der Organisation, einschliesslich sowohl Fortschritten als auch Herausforderungen.

Haeufig gestellte Fragen

Welchen Anteil an den globalen Emissionen hat das Gesundheitswesen? Der Gesundheitssektor traegt etwa 4,4% zu den globalen Netto-CO2-Emissionen bei. In der EU sind Gesundheitssysteme aufgrund ihres 24-Stunden-Betriebs und energieintensiver medizinischer Geraete bedeutende Energieverbraucher.

Gilt die CSRD fuer Krankenhaeuser und Gesundheitssysteme? Ja, wenn sie die CSRD-Schwellenwerte erfuellen (mehr als 1.000 Mitarbeiter und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz nach den Omnibus-I-Aenderungen). Grosse Krankenhausgruppen, private Gesundheitsnetzwerke und Pharmaunternehmen fallen typischerweise in den Anwendungsbereich. Kleinere Organisationen koennen ueber Beschaffungs- und Finanzierungsanforderungen indirektem Berichtsdruck ausgesetzt sein.

Was sind die groessten Emissionsquellen in Krankenhaeusern? Der Energieverbrauch in Einrichtungen (Heizung, Kuehlung, medizinische Geraete) stellt typischerweise die groesste Scope-1- und Scope-2-Quelle dar. Scope-3-Emissionen aus pharmazeutischen und Medizinprodukte-Lieferketten machen normalerweise 60 bis 80% der Gesamtemissionen aus.

Wie kann das Gesundheitswesen Emissionen senken, ohne die Patientenversorgung zu beeintraechtigen? Wirksame Strategien umfassen die Beschaffung erneuerbarer Energien, Gebaeude-Effizienzverbesserungen, Abfalltrennung und Recyclingprogramme, Anaesthesieprotokolle mit geringerem Umwelteinfluss, Telemedizin fuer Nachsorge und Lieferkettenengagement. Diese Massnahmen verbessern die Nachhaltigkeitsleistung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung oder Verbesserung der Versorgungsqualitaet.

Welche Nachhaltigkeitsinitiativen gibt es im deutschen Gesundheitswesen? Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat Nachhaltigkeitsleitlinien veroeffentlicht. Das LkSG gilt fuer grosse Klinikbetreiber. Mehrere Universitaetskliniken haben Klimaschutzprogramme gestartet, und die BAFA ueberwacht die Einhaltung der Lieferkettensorgfaltspflichten. Bundeslaender foerdern zudem die energetische Sanierung von Krankenhaeusern.

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